Was ist die Tournée Minérale und wie unterscheidet sie sich vom Dry January?
Die Tournée Minérale ist eine belgische Initiative, bei der Teilnehmer den gesamten Monat Februar auf Alkohol verzichten. Sie wurde 2015 von der belgischen Gesundheitsorganisation Kom op tegen Kanker (Kampf dem Krebs) ins Leben gerufen — mit einem klaren medizinischen Hintergrund: Die Reduktion des Alkoholkonsums zur Krebsprävention. Im Gegensatz zum britischen Dry January ist die Tournée Minérale von Anfang an als bürgerliche Gesundheitskampagne mit wissenschaftlicher Fundierung konzipiert worden.
Die Tournée Minérale ist eine belgische nationale Abstinenz-Challenge, die seit 2017 im Februar stattfindet. Initiiert von der flämischen Gesundheitsorganisation VAD (Vlaams Expertisecentrum Alcohol en andere Drugs) in Zusammenarbeit mit der gleichnamigen Stiftung, hat die Kampagne schnell nationale Bekanntheit erlangt und wird heute zweisprachig in der gesamten belgischen Gesellschaft kommuniziert.
Wie entstand die Tournée Minérale und was macht sie einzigartig?
Die Tournée Minérale ist eine belgische Initiative, bei der Teilnehmer den gesamten Monat Februar auf Alkohol verzichten. Sie wurde 2015 von der belgischen Gesundheitsorganisation Kom op tegen Kanker (Kampf dem Krebs) ins Leben gerufen — mit einem klaren medizinischen Hintergrund: Die Reduktion des Alkoholkonsums zur Krebsprävention.
Die Tournée Minérale wurde bewusst als belgische Alternative zum britischen Dry January positioniert, mit einem distinktiven Unterschied im Framing. Statt des abstrakten "trocken sein" steht das aktive Geniessen von Mineralwasser, hochwertigen alkoholfreien Getränken und die Entdeckung von Alternativen im Vordergrund. Der Name ist eine spielerische Anspielung auf die belgische Tradition der "Tournée Générale" (eine Runde für alle), ersetzt durch Mineralwasser oder alkoholfreie Getränke. Diese positive Rahmung unterscheidet die Kampagne grundlegend von abstinenzorientierten Initiativen und erhöht nachweislich die Bereitschaft zur Teilnahme.
In der Ausgabe 2024 nahmen laut offiziellen Zahlen der Organisation rund 340.000 Belgier aktiv teil. Für ein Land mit 11,5 Millionen Einwohnern entspricht das einer Beteiligungsquote von rund 3 Prozent der Erwachsenenbevölkerung. Zum Vergleich: Der britische Dry January erreichte 2024 etwa 9 Millionen Teilnehmende bei rund 55 Millionen erwachsenen Briten, was einer ähnlichen pro-Kopf-Quote entspricht.
Marktauswirkungen: Wie die Tournée Minérale den belgischen NoLo-Markt verändert
Laut Nielsen IQ Belgien stiegen die Verkäufe alkoholfreier Biere im Handel während des Februars 2024 um 44 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt. Alkoholfreie Weine verzeichneten einen Anstieg von 31 Prozent, und Kombucha sowie botanische Drinks legten um 58 Prozent zu. Diese Zahlen zeigen: Die Tournée Minérale ist nicht nur eine Abstinenz-Initiative, sondern ein echter Marktstimulator für die gesamte NoLo-Kategorie. Entscheidend ist, dass die Teilnehmenden durch das aktive Probieren von Premiumalternativen häufig zu dauerhaften Gelegenheitskäufern werden. (Quelle: Nielsen IQ, 2022)
Langfristig sind die Effekte stabilisierend: Eine belgische Begleitforschung der Universität Gent (2022) zeigte, dass 34 Prozent der Tournée-Minérale-Teilnehmenden auch nach dem Februar mindestens einmal pro Woche ein alkoholfreies Premiumgetränk konsumierten, während dieser Wert bei Nicht-Teilnehmenden bei rund 12 Prozent lag. Das ist eine bleibende Verhaltensänderung, die den Markt nachhaltig stützt.
Internationale Ausstrahlung und Replizierbarkeit
Die internationale Resonanz wächst. Mehrere niederländische und französische Medien berichten seit 2022 regelmässig über die Challenge. In Deutschland hat das Konzept Aufmerksamkeit erzeugt: Branchenvertreter des Deutschen Brauer-Bundes und der Alkoholfreie-Initiative haben 2023 die Tournée Minérale als Modell für einen deutschen "Sober February" diskutiert. Die WHO Regionalbüro Europa zitiert die Tournée Minérale in ihrem Aktionsplan als Best-Practice-Beispiel für nationalen Kulturwandel beim Alkoholkonsum und empfiehlt Mitgliedsstaaten, ähnliche Initiativen zu entwickeln oder zu unterstützen. (Quelle: WHO, 2023)
Lehren für die NoLo-Branche: Was andere Märkte von der Tournée Minérale übernehmen können
Das belgische Modell bietet drei replizierbare Elemente, die andere Märkte konkret adaptieren könnten. Erstens: das positive Framing. Statt "alkoholfrei" oder "Verzicht" steht das aktive Entdecken von Alternativen im Vordergrund, was die Einstiegsbarriere senkt. Zweitens: die zweisprachige und breit inkludierende Kommunikation, die keine sozialen oder kulturellen Gruppen ausschliesst. Drittens: die Partnerschaft zwischen Gesundheitsorganisationen und der Getränkeindustrie, die dafür sorgt, dass Produktempfehlungen konkret und qualitativ hochwertig sind (die offizielle Tournée-Minérale-Website enthält kuratierte Produktlisten von Partnermarken).
Deutschland hat mit dem Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) und Organisationen wie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) institutionelle Akteure, die eine ähnliche koordinierende Rolle übernehmen könnten. Gespräche zwischen Branchenverbänden und Gesundheitsministerium über einen deutschen "Sober February" oder eine ähnliche Kampagne haben laut Presseberichten 2024 stattgefunden, ohne bisher ein konkretes Ergebnis zu produzieren. Das Modell Belgien wartet auf eine Adaptation, die dem deutschen Markt das nächste Wachstumskapitel schreiben könnte.
Partnerschaftsmodell: Wie die Tournée Minérale die Industrie einbezieht
Ein Alleinstellungsmerkmal der Tournée Minérale im Vergleich zu anderen Abstinenz-Challenges ist die aktive Einbindung von NoLo-Getränkeherstellern als offizielle Partner. Die Kampagne empfiehlt auf ihrer Website aktiv alkoholfreie Premiumprodukte und kooperiert mit belgischen und internationalen Marken, die hochwertige Alternativen anbieten. Diese Partnerschaft ist kommerziell und ethisch zugleich: Die Hersteller erhalten Sichtbarkeit, die Kampagne erhält Ressourcen, und die Teilnehmenden erhalten konkrete Produktempfehlungen statt nur das abstrakte Versprechen "es gibt gute Alternativen".
Dieses Partnerschaftsmodell ist für andere Länder, die ähnliche Challenges etablieren wollen, ein entscheidendes strukturelles Element. Ohne die aktive Einbindung der Industrie riskieren Abstinenz-Kampagnen, dass Teilnehmende nach guten alkoholfreien Optionen suchen und keine finden, was zu Frustration und Abbruch führt. Die Tournée Minérale zeigt, dass die Kombination aus Gesundheitsmotivation und Genussversprechen die Erfolgschancen solcher Initiativen erheblich steigert.
Die Tournée Minérale ist mehr als eine Abstinenz-Challenge: Sie ist ein Modell für den konstruktiven Dialog zwischen Gesundheitspolitik, Gesellschaft und der NoLo-Industrie. Ihr Erfolg liegt nicht im Missionieren, sondern im Einladen, nicht im Verbieten, sondern im Entdeckenlassen. Diese Philosophie ist übertragbar und sollte Inspirationsquelle für jeden sein, der den Wandel der Trinkkultur in Europa aktiv mitgestalten will.
| Indikator | Tournée Minérale 2024 (Belgien) |
|---|---|
| Teilnehmende | ~340.000 |
| Verkaufsplus NA-Bier (Februar) | +44% |
| Verkaufsplus alkoholfreier Wein | +31% |
| Verkaufsplus Kombucha und botanische Drinks | +58% |
| Dauerhafte Verhaltensänderung nach Challenge | 34% trinken weiter mindestens 1x/Woche NoLo |
| Jahr der Gründung | 2017 (VAD und Tournée Minérale Stiftung) |
Quellen: Tournée Minérale Organisation 2024, Nielsen IQ Belgien 2024, Universität Gent 2022, WHO Europa Aktionsplan.
Mehr über die belgische NoLo-Szene und die Tournée Minérale auf zeroproof.one.