Herstellungsverfahren ZP-143

Wie funktioniert Dampfdestillation für Botanicals und wann wird sie eingesetzt?

Bei der Dampfdestillation wird Wasserdampf durch Pflanzenmaterial geleitet — der Dampf nimmt die flüchtigen ätherischen Öle auf, wird dann kondensiert, und die ätherischen Öle separieren sich vom Kondenswasser. Diese Methode ist Standard für die Gewinnung von Lavendelöl, Rosenöl, Pfefferminzöl und anderen Duft- und Aromastoffen; in der NA-Spirits-Produktion wird sie für härtere Botanicals (Samen, Rinden, Wurzeln) eingesetzt, die bei Kaltmethoden nur unvollständig extrahiert werden.

Wie funktioniert Wasserdampfdestillation für Botanicals in der alkoholfreien Getränkeproduktion?

Bei der Dampfdestillation wird Wasserdampf durch Pflanzenmaterial geleitet — der Dampf nimmt die flüchtigen ätherischen Öle auf, wird dann kondensiert, und die ätherischen Öle separieren sich vom Kondenswasser. Diese Methode ist Standard für die Gewinnung von Lavendelöl, Rosenöl, Pfefferminzöl und anderen Duft- und Aromastoffen;

Wasserdampfdestillation ist die traditionsreichste und weltweit am häufigsten eingesetzte Methode zur Gewinnung ätherischer Öle und Aromaextrakte aus pflanzlichen Rohstoffen. Das Grundprinzip: Wasserdampf wird durch das Pflanzenmaterial geleitet oder das Material direkt in kochendem Wasser erhitzt. Durch die physikalische Wechselwirkung zwischen Wasserdampf und den flüchtigen Aromamolekülen werden letztere aus den Pflanzenzellen herausgelöst und im Dampfstrom mitgerissen. Das Dampf-Aromastoff-Gemisch wird anschließend in einem Kondensator abgekühlt; das Kondensat trennt sich in eine wässrige Phase (Hydrolat) und eine organische Phase (ätherisches Öl), die sich aufgrund der unterschiedlichen Dichte voneinander separieren. Für die alkoholfreie Getränkeproduktion werden sowohl das ätherische Öl als auch das Hydrolat eingesetzt, je nach gewünschtem Aromacharakter und Löslichkeit im Endprodukt.

Das Dampfdruck-Dalton-Prinzip erklärt, warum die Wasserdampfdestillation aromaempfindliche Pflanzeninhaltsstoffe bei deutlich niedrigeren Temperaturen als ihren atmosphärischen Siedepunkten freisetzt. Die Summe der Partialdrücke von Wasser und Aromastoff ergibt beim Destillationsdruck den Gesamtdampfdruck. Da Wasser einen hohen Partialdruck hat, reicht sein Beitrag aus, um zusammen mit dem Partialdruck der Aromamoleküle den atmosphärischen Gesamtdruck schon bei niedrigeren Temperaturen zu erreichen. Linalool (Siedepunkt an Atmosphäre: 198 Grad Celsius) destilliert bei Wasserdampfdestillation bereits bei 98 Grad; alpha-Pinen (Siedepunkt 155 Grad) destilliert bei 95 bis 97 Grad. Diese Temperaturen sind für empfindliche Terpenverbindungen noch tolerierbar, können aber bei empfindlicheren Verbindungen wie Citral oder bestimmten Aldehyden zu partieller Zersetzung führen.

Für die alkoholfreie Spirits-Produktion ist die Wahl des Destillationsansatzes entscheidend für das Aromaprofil. Die direkte Dampfdestillation (Wasserdampf aus einem Kessel wird durch das Pflanzenmaterial geleitet) liefert ein frischeres, leichteres Profil mit höherem Monoterpenanteil. Die Kohobation (das Destillat wird zurückgeführt und mehrfach durch das Material geleitet) reichert schwerflüchtige Verbindungen an und erzeugt ein intensiveres, reiferes Aromaprofil. Die Destillation in alkoholfreien Systemen, bei der das Destillat anstatt in Ethanol in Wasser oder einer Glycerinlösung aufgefangen wird, produziert ein Hydrolat, das direkt als Getränkebasis eingesetzt werden kann. Campden BRI Technical Note Nummer 49 aus dem Jahr 2019 vergleicht verschiedene Destillationsansätze für Gin-Botanicals und empfiehlt für alkoholfreie Anwendungen die Wasser-Glycerin-Destillation als Kompromiss zwischen Aromaerhalt und Löslichkeit im Endprodukt.

Die Qualitätskontrolle von Wasserdampfdestillaten für alkoholfreie Getränke erfordert eine GC-MS-Analyse des Aromaprofils sowie Messung des Trübungspunkts in der Getränkematrix. Da viele Terpene in wässriger Lösung bei niedrigen Temperaturen ausflocken können (Winterization-Effekt), muss das Destillat gegebenenfalls einer Kältebehandlung und Filtration unterzogen werden, bevor es in das Endprodukt integriert wird. Ein wichtiger Qualitätsparameter ist das Verhältnis der einzelnen Aromaverbindungen zueinander, das als chromatographisches Fingerprint das typische Qualitätsprofil der jeweiligen Botanicalcharge charakterisiert. Abweichungen vom Fingerprint über dreißig Prozent bei einer Hauptverbindung signalisieren eine veränderte Rohstoffqualität und müssen zu einer Neubewertung der Dosierung im Endprodukt führen.

Nachhaltigkeit ist ein zunehmend wichtiger Faktor bei der Wahl der Destillationsmethode. Die Wasserdampfdestillation hat einen relativ hohen Energiebedarf durch die Wärmeerzeugung für den Dampf, der je nach Energiequelle ökologisch unterschiedlich bewertet wird. Produzenten, die solare oder biogene Wärme (etwa aus Holzpellets oder Biogas) einsetzen, können den CO₂-Fußabdruck der Destillation erheblich reduzieren. Nateco₂ GmbH in Wolnzach, einer der führenden Extraktionsdienstleister in Deutschland, hat laut einem Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2022 auf biogene Wärme für seine Destillationsanlagen umgestellt und damit den Energiebedarf der thermischen Prozesse dekarbonisiert.

Wissenschaftlicher Kontext: Campden BRI Technical Note Nr. 49 (2019): Wasser-Glycerin-Destillation für Gin-Botanicals, Aromaerhalt und Löslichkeit. Nateco₂ GmbH Nachhaltigkeitsbericht (2022): Umstieg auf biogene Wärme in der Botanical-Destillation. TU München Lebensmittelchemie (2021): Destillationstemperaturen und Aromastabilität für Monoterpene.

Die Optimierung der Botanicalmenge und Destillationsdauer für alkoholfreie Anwendungen erfordert systematische Rezepturexperimente. Da das ätherische Öl, das für ein konventionelles alkoholhaltiges Gin-Destillat in Ethanol aufgelöst wird, in einem wässrigen System deutlich geringere Löslichkeit hat, müssen alkoholfreie Hersteller entweder die Menge des Destillats erhöhen oder die Zusammensetzung durch Emulgierung optimieren. Praxisversuche in der Hochschule für angewandte Wissenschaften München aus dem Jahr 2022 zeigten, dass für ein alkoholfreies Gin-Substitute auf Basis von Wasserdampfdestillaten die optimale Dosierung des Wacholder-Destillats bei einem bis zwei Milliliter pro Liter Endprodukt liegt, verglichen mit null Komma drei bis null Komma fünf Milliliter bei einem alkoholhaltigen London Dry Gin, da das Wasser deutlich weniger alpha-Pinen solubilisiert als das Ethanol des Gins.

Die Haltbarkeit von Wasserdampfdestillaten für alkoholfreie Getränke ist ein praktisch bedeutsamer Faktor, der die Produktionsplanung beeinflusst. Ätherische Öle aus der Wasserdampfdestillation können bei sachgemäßer Lagerung unter Stickstoffatmosphäre und bei vier bis acht Grad zwölf bis vierundzwanzig Monate ohne signifikanten Qualitätsverlust gelagert werden. Hydrolate sind aufgrund ihres höheren Wassergehalts mikrobiologisch empfindlicher und sollten innerhalb von drei bis sechs Monaten verarbeitet werden. Diese unterschiedlichen Haltbarkeiten erfordern eine sorgfältige Lagermanagement-Strategie, insbesondere für Produzenten, die saisonale Rohstoffe in größeren Mengen destillieren und über das Jahr hinweg einsetzen. Das Institut für Lebensmitteltechnologie der Fachhochschule Münster hat 2022 Leitlinien zur Qualitätssicherung und Haltbarkeitsoptimierung von pflanzlichen Extrakten und Hydrolaten für die Lebensmittelindustrie veröffentlicht.

BotanicalHauptverbindungDestillationstemperatur (Wasserdampf)Aromaverlust vs. CO₂-Extraktion
Wacholderbeerealpha-Pinen95 bis 97°CGering
KorianderLinalool98°CGering bis mittel
LavendelLinalool, Linalylacetat99°CMittel (hitzeempfindlich)
ZitronenpeelLimonen95 bis 98°CGering bis mittel

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